Kfz-Kaskoversicherung: "Neu für alt" gilt nicht für "guten Lack"

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Stellt eine Autobesitzerin morgens fest, dass nachts Unbekannte ihren Wagen erheblich zerkratzt hatten, so darf ihre Kaskoversicherung bei der Begleichung der Rechnung für den Lackierer später nicht einen Abzug „neu für alt" vornehmen.

Die Begründung, dass eine neue Lackierung den Wert des Autos steigere, hielt nicht stand. Stellt die Versicherung nur auf das Alter des (hier knapp 4 Jahre alten) Wagens und auf seine Laufleistung (hier fast 72.000 km) ab, so reiche das nicht als Begründung aus. Zumal dann nicht, wenn mitgeteilt worden ist, dass der Abzug „entsprechend dem Zustand des Lacks" vorgenommen worden sei - ohne den Zustand auch nur ansatzweise zu erläutern.

Daher stehe nicht fest, ob die Neulackierung tatsächlich den Wert des Autos erhöht habe. Denn möglicherweise habe sich die Lackierung auf den Wert überhaupt nicht ausgewirkt: nämlich dann, wenn der Lack vor der nächtlichen Attacke noch „gut in Schuss" war. Alter und Laufleistung erlaubten jedenfalls keinen Rückschluss auf den Zustand des Lacks. Mittlerweile sei die Qualität der Autolackierungen so gut, dass in der Regel während der üblichen Lebensdauer eines Wagens keine Neulackierung nötig sei. (AmG Solingen, 13 C 400/11)  Wolfgang Büser/ dpp-AutoReporter