Spannung im Kfz-Gewerbe: Jürgen Karpinski ist ein Kämpfer

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Spannung im Kfz-Gewerbe: Jürgen Karpinski ist ein Kämpfer. Foto: ZDK/dpp-AutoReporter

Selten hat im Deutschen Kraftfahrzeuggewerbe die Wahl eines Präsidenten schon im Vorfeld ein derartiges Medienecho ausgelöst. Mediales Casting via netzgesteuerter Abstimmung, Flurfunk und Wunschdenken fokussierten sich bisher stärker aus Namen denn auf Programme und Aussagen.

Nachdem der Vorstand des Zentralverbandes sich in einer Klausurtagung einstimmig für den Frankfurter Unternehmer Jürgen Karpinski ausgesprochen hat, gibt es in Interviews vorsichtige zukunftweisende programmatische Aussagen. Der Kandidat bleibt vorsichtig aber bestimmend, und mit Hinweis auf den Wahltermin durch die Mitgliederversammlung im Juni und das somit bewährte demokratische Verfahren hält er sein Arbeitsprogramm für die vermutlich nächsten sechs Jahre noch bedeckt. Wer aber ist Jürgen Karpinski, der Robert Rademacher im Präsidentenamt nachfolgen wird.

Der Mann wird im November 65 Jahre alt, hat das vom Schwiegervater übernommene Unternehmen in Frankfurt und im benachbarten Idstein ausgebaut und in schwierigen Zeiten, auch ausgelöst durch verstärkte Retail-Aktivitäten im Frankfurter Lokalmarkt, stabilisiert. Der Neubau für die Marke aus Wolfsburg mit einem achtstelligen Invest spricht für den Handelsmann.

Seit einem Vierteljahrhundert führt Karpinski - der Abschied ist erklärt - die Frankfurter Innung, die mit ihrer Landesfachschule weit über hessische und deutsche Grenzen bekannt ist. Im Landesverband Hessen hat er nahtlos die Führung aus den Händen von Rudolf Jäger übernommen, er ist in Kammer(n) vernetzt und lebt im Großraum Rhein-Main ein Beziehungsmanagement, das beispielhaft sein könnte. Könnte? Er kehrt nicht alles auf den Marktplatz der öffentlichen Bestandsaufnahme.

Er ist ein Kämpfer. Was man ihm heute, wohl auch wegen einiger zusätzlicher Pfunde, nicht mehr zutraut, waren sportliche Erfolge im Triathlon, im Marathon und im Boxring. Er kann einstecken, könnte man daraus ableiten, könnte er auch austeilen?

Als Präsident des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes, immerhin Repräsentant von 38.000 Unternehmen, die rund 130 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften, geht er auch als Mann der zielführenden Kommunikation nicht unvorbereitet in ein Amt, in dem man oder frau nicht nur mit Gegenwind rechnen muss. Er muss Konturen des Verbandes schärfen, er muss stärker in der Politik für die mittelständischen Interessen kämpfen und er muss den Dialog mit den Herstellern führen. Kurzum: Er muss die Kanten des Verbandes schärfen. Es geht nicht mehr um cw-Werte, es geht um Profil.

Er wird mit der Frage des Verbandsstandortes stärker konfrontiert werden als sein Vorgänger, er wird sich der personellen Kontinuität nicht verschließen dürfen. Ergo: Der Rucksack, den er nach der Wahl am 12./13. Juni in Bremen schultern wird, ist pickepackevoll!

Was spricht für Jürgen Karpinski, der wie sein Vorgänger Robert Rademacher statt des wohlverdienten ruhigen Lebens im dritten Lebensabschnitt nun eine Terminhatz erleben wird. Der Mann kennt Verbände. Er kennt die Wurzeln der Verbände und er ist kein Spieler des schnellen Erfolgs. Stabilität, Transparenz und Akzeptanz sind für ihn auch Werte, die er in Frankfurt und Wiesbaden erfolgreich gelebt hat.

Er ist, wohlgleich er in der öffentlichen Wahrnehmung in der Automobilwirtschaft als Handwerker katalogisiert wird, ein Marken- und Handelsmann, der in der neuen Funktion dann noch beweisen muss, dass er den Spagat zwischen den Mitgliedergruppen ohne Schmerzen hinkriegt. Er wird, das haben die ersten Interviews gezeigt, in der Zeit als Kandidat die gemeinsamen Themen herausstellen. Was folgen wird, wird spannend! (dpp-AutoReporter/HUW)