Motorjournalisten gegen Dieselfahrverbote

Picture

Sichtbehindernde Plaketten in der Windschutzscheibe künden bunt von Symbolpolitik. Foto: GTÜ/dpp-AutoReporter

Die von einigen Städten in Deutschland geplanten Fahrverbote für Dieselfahrzeuge sind nach Ansicht des Verbands der Motorjournalisten (VdM) Symbolpolitik und nicht zielführend.

Die Luft in Innenstädten, die durch Feinstaub und NOx stark belastet ist, würde durch ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge kaum besser. In der Praxis müsste es Ausnahmeregelungen für Lieferverkehre, Taxis, öffentliche Nahverkehrsbusse und Anlieger geben, die schwer zu überwachen und nur bürokratisch sind. Außerdem stoßen moderne Benzinmotoren, bedingt durch kraftstoffsparende Magerkonzepte, auch Feinstaub und NOx aus und müssten ebenfalls stehen bleiben! Feinstaub entsteht, das zeigen Untersuchungen unabhängiger Institute, auch durch Reifen- und Bremsenabrieb sowie durch andere, nicht durch Fahrverbote zu beeinflussende Quellen.

Laut dem VdM-Vorstandvorsitzenden Werner Bicker steht die offizielle Politik der Bundesregierung unter dem Diktat von Energieeinsparbemühungen zum Klimaschutz. Zur Erreichung des ambitionierten Ziels ist der Einsatz von Dieselautos unumgänglich. Mit Benzinmotoren, deren NOx-Bilanz zwar besser ist, die aber mehr verbrauchen, würde dieses Ziel verfehlt. Umweltfreundlichere Alternativen werden aktuell unverständlicherweise abgewürgt, wie gerade durch Kappung eines Steuervorteils für den CO2-arm verbrennenden Kraftstoff Autogas, der fast staub- und NOx-frei ist.

Der VdM appelliert an die Kommunen, den öffentlichen Personennahverkehr attraktiver zu gestalten und mit umweltfreundlichen Fahrzeugen auszustatten. Elektromobilität und andere alternative Antriebsformen sind nicht auf den privaten Bereich beschränkt, sondern müssen auch für Busse und Bahnen gefordert werden! Die oft vorgeschobene Budgetknappheit herrscht auch bei Privatleuten.

Sozial verträgliche Mobilität gehört nach Ansicht des VdM zu den Grundrechten. Neben Umweltaspekten gehört dazu aber auch ein diskriminierungsfreier und bezahlbarer Zugang zu allen Mobilitätskonzepten. Eine Verkehrs- und Umweltpolitik, die sich in Appellen an die Autoindustrie und bunten Aufklebern für die Windschutzscheibe erschöpft sowie notwendige Weichenstellungen unter Finanzierungsvorbehalte stellt, verdient diesen Namen nicht. (dpp-AutoReporter/wpr)